Foto: Jens Schulze /Landeskirche Hannovers

1. Tagung der Landessynode | Februar 2026

Nachricht 21. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

woran denken Sie, wenn Sie „Landessynode“ hören?

Für mich war die Landessynode lange Zeit irgendwie nie ganz greifbar

„Oben wurde etwas beschlossen“ – so klang es oft. Entscheidungen aus Hannover, die irgendwann vor Ort ankommen. Aber wie entstehen diese Entscheidungen? Wer diskutiert dort? Und wie fühlt sich das eigentlich an?

Genau deshalb, um die Landessynode und meine Arbeit greifbarer zu machen, berichte ich in meinem Synodentagebuch.

Vorbereitung auf die synodale Arbeit

Noch bevor die eigentliche Tagung begann, gab es für uns neu gewählte Synodale mehrere Vorstellungstreffen der Synodalgruppen. Synodalgruppen könnte man mit Fraktionen in einem Parlament vergleichen.

Diese Treffen waren wichtig, um die unterschiedlichen Arbeitsweisen und inhaltlichen Schwerpunkte kennenzulernen und eine Entscheidung zu treffen, welcher Gruppe man sich anschließen möchte.

In dieser Zeit hat mich eine Frage besonders beschäftigt:
Was kann ich, Ann-Sophie Saar, in der Landessynode eigentlich verändern?

Mit bestimmten Themen bin ich zur Wahl angetreten, das war mir klar. Doch in der Vorbereitung wurde schnell deutlich, wie viele große und drängende Themen die Landeskirche bewegen.

Ehrlich gesagt hat mich die ganze Auswahl an Ausschüssen und Aufgabenfelder im ersten Moment überwältigt. Jeder Mensch hat begrenzte Kapazitäten, auch in der Kirche, auch im Ehrenamt. Ich habe gemerkt: Ich muss nicht alles können und machen. Aber ich möchte das, was ich übernehme, mit Klarheit und Engagement tun.

Ankommen in Hannover

Zu Beginn der Tagung stellte sich für uns Neulinge eine ganz praktische Frage: Wie spricht man die Synode eigentlich korrekt an? „Hohe Synode?“ „Liebe Konsynodale?“ oder „Liebe Mitsynodale?“

Ein Synodaler fand dafür eine sehr kreative Lösung und sprach in seinen Wortbeiträgen vom Präsidium als „Reiseleitung“ und von uns Synodalen als „Mitreisenden“.

Dieses Bild gefällt mir sehr gut. Es beschreibt treffend, wie sich die ersten Tage angefühlt haben: als gemeinsamer Aufbruch, bei dem man zunächst Orientierung sucht, neue Menschen kennenlernt und langsam seinen Platz findet.

Denn am Anfang waren es oft ganz praktische Fragen, die uns beschäftigten: Wie spricht man das Präsidium an? Wie funktioniert die Redeliste? Wann und wie bringt man einen Antrag ein? Und wie laufen die vielen formalen Abläufe einer Plenarsitzung eigentlich genau ab?

Gerade diese scheinbar kleinen Dinge zeigen, dass man sich als neue Synodale erst einmal in eine ganz eigene Arbeitsweise einfinden muss. Vieles ist neu, manches wirkt anfangs ungewohnt und doch merkt man schnell, dass auch hier alle einmal angefangen haben.

Eröffnung und Verpflichtung

Die konstituierende Tagung begann mit einem festlichen Gottesdienst mit Abendmahl in der Marktkirche in Hannover. Dort wurden wir als Mitglieder der 27. Landessynode eingesegnet und verpflichtet.

Dieser Moment hat mich mehr berührt, als ich erwartet hatte. In diesem Augenblick wurde mir noch einmal sehr bewusst, dass mit der Wahl nicht nur eine neue Aufgabe verbunden ist, sondern auch eine besondere Verantwortung.

In der Landessynode geht es nicht nur um Strukturen und Abläufe. Gemeinsam beraten wir über Themen, die für viele Menschen in unserer Kirche wichtig sind und das Gemeindeleben vor Ort mitprägen.

Wo bin ich nun tätig?

Ich freue mich sehr über die Wahl ins Präsidium, wo ich als Schriftführerin mitwirke.

Gleichzeitig bringe ich mich im Ausschuss für Junge Menschen sowie im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Kommunikation ein. Gerade diese Themen liegen mir besonders am Herzen: junge Stimmen stärken und kirchliche Arbeit nachvollziehbar und transparent machen.

Kirche in Bewegung

Nach 54 Jahren hat sich erstmals wieder eine dritte Synodalgruppe gegründet: Kirche in Bewegung (KiB). Ich habe mich dieser Synodalgruppe angeschlossen.

Die Gruppe umfasst aktuell 19 Mitglieder und versteht Kirche als etwas Lebendiges. Für mich bedeutet das: Kirche darf nicht stehen bleiben. Sie muss bereit sein, zuzuhören, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Inhalte der Tagung

Neben den Wahlen und organisatorischen Entscheidungen wurden auf der ersten Tagung bereits wichtige Themen für die kommenden Jahre gesetzt.

Ein Schwerpunkt war das Thema Inklusion. Dabei ging es um die Frage, wie Kirche für alle Menschen offen und zugänglich gestaltet werden kann. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und Teilhabe selbstverständlich werden zu lassen.

Ein weiterer zentraler Themenkomplex ist die Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Die Landessynode hat beschlossen, dieses Thema dauerhaft und verbindlich in ihrer Arbeit zu verankern. Betroffene und Fachstellen sollen eng in die weiteren Beratungen einbezogen werden. Für mich ist dies eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahre, denn Kirche muss ein sicherer Ort für für alle Menschen sein.

Auch die Stärkung der Demokratie wird die Landessynode intensiv beschäftigen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Haltung Kirche gegenüber Rechtsextremismus einnimmt und wie Gemeinden in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten unterstützt werden können.

Diese Themen zeigen bereits zu Beginn der Legislaturperiode, dass sich die Landessynode mit Fragen beschäftigt, die weit über Strukturen und Finanzen hinausgehen. Dabei geht es darum, wie Kirche Verantwortung wahrnimmt und wie sie in unserer Gesellschaft glaubwürdig und verlässlich handeln kann.

Abschlussgedanke zur Tagung

Nach diesen ersten Tagen in Hannover ist für mich vieles klarer geworden. Die Landessynode ist kein abstraktes Gremium, sondern ein Ort, an dem Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen, miteinander ringen, zuhören und Entscheidungen vorbereiten.

Ich nehme aus dieser Tagung viele neue Eindrücke, spannende Begegnungen und ein besseres Verständnis für die Abläufe mit. Vor allem aber nehme ich die Gewissheit mit, dass Kirche dort lebendig bleibt, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam nach guten Wegen zu suchen.

Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen aus der Gemeinde und dem Kirchenkreis in diese Arbeit einzubringen und umgekehrt die Themen und Impulse aus Hannover wieder mit nach Hause zu nehmen.

Ausblick

Seit der ersten Tagung ist bereits einiges passiert. Inzwischen haben mehrere Sitzungen des Präsidiums und der Ausschüsse stattgefunden. Außerdem gab es eine Tagung zum Zukunftsprozess der Kirche, bei der zentrale Fragen zur Weiterentwicklung unserer Landeskirche beraten wurden.

Vom 18. bis 20. Juni kommt die Landessynode in Hannover zu ihrer zweiten Tagung zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dort das Thema Stärkung der Demokratie sein.

Inhalt

  1. Vorbereitung auf die synodale Arbeit
  2. Ankommen in Hannover
  3. Eröffnung und Verpflichtung
  4. In welchen Ausschüssen bin ich nun tätig?
  5. Kirche in Bewegung
  6. Inhalte der Tagung
  7. Abschlussgedanke zur Tagung
  8. Ausblick

Autorin

Ann-Sophie Saar