Foto: Jens Schulze /Landeskirche Hannovers

2. Tagung der Landessynode | Juni 2026

Nachricht 03. September 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

beim ersten Eintrag in mein Synodentagebuch habe ich geschrieben, dass die Landessynode für mich lange Zeit irgendwie nie ganz greifbar war.

Nach zwei Tagungen kann ich sagen: Das hat sich inzwischen geändert.

Vieles, was bei der ersten Tagung noch neu war, ist mittlerweile vertrauter geworden. Ich weiß inzwischen, wie eine Tagung abläuft, kenne die Menschen, mit denen ich in den Ausschüssen zusammenarbeite, und finde mich auch zwischen Tagesordnung, Anträgen und Abstimmungen deutlich schneller zurecht.

Und trotzdem brachte die zweite Tagung wieder etwas Neues mit sich: Zum ersten Mal nahm ich als Schriftführerin auf der Bank des Präsidiums Platz und erlebte die Tagung damit noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive.

Ein Rundgang durch die Themen der Tagung

Die Landessynode kam vom 18. bis 20. Juni in Hannover zusammen. Drei Tage Landessynode bedeuten eine ziemlich volle Tagesordnung: Berichte, Gesetzesentwürfe, Anträge, Dokumente und natürlich viele Beratungen und Abstimmungen.

Alles davon hier wiederzugeben, würde den Rahmen meines Synodentagebuchs sprengen. Deshalb möchte ich einige Themen herausgreifen, die auch für unsere Arbeit vor Ort interessant sind oder uns in den kommenden Jahren noch weiter beschäftigen werden.

Foto: Jens Schulze /Landeskirche Hannovers

Schwerpunkt der Tagung: Demokratie stärken

Die zweite Tagung hatte mit „Demokratie stärken“ auch ein eigenes Schwerpunktthema. In mehreren Impulsen und einer ausführlichen Aussprache beschäftigte sich die Landessynode mit dem Verhältnis von Kirche, Demokratie und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die verschiedenen Beiträge und Diskussionen sind in der Berichterstattung der Landeskirche ausführlich dokumentiert. Wer sich näher mit dem Schwerpunktthema beschäftigen möchte, findet dort weitere Informationen:

Weitere Informationen zum Schwerpunktthema „Demokratie stärken“ 

Kirche im Ganztag

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Rolle Kirche künftig im schulischen Ganztag spielen kann.

Dabei geht es nicht nur darum, gelegentlich ein kirchliches Angebot in der Schule stattfinden zu lassen. Vorgestellt wurden unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit: Kirchengemeinden könnten sich als Kooperationspartnerinnen mit einzelnen Angeboten beteiligen oder sogar umfangreichere Verantwortung für die Nachmittagsbetreuung übernehmen.

Damit verbunden sind natürlich ganz praktische Fragen: Wer gestaltet solche Angebote? Welche personellen und finanziellen Ressourcen braucht es? Und wie können kirchliche Angebote im Ganztag aussehen, die tatsächlich zu den Kindern und ihrem Alltag passen?

Kirche näher am Alltag

Eng damit verbunden waren Überlegungen, wie Kirche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene künftig stärker durch unterschiedliche Lebensphasen begleiten kann.

Hinter dem etwas sperrigen Begriff „biografieorientierte Arbeit mit Menschen von 0 bis 27 Jahren“ steckt eigentlich ein einfacher Perspektivwechsel: Ausgangspunkt sollen stärker die Menschen selbst und ihr Alltag sein, von der frühen Kindheit über Schule und Konfirmandenzeit bis hin zu Ausbildung, Studium und jungem Erwachsenenalter.

Die Frage lautet also nicht zuerst: Welche kirchlichen Angebote haben wir? Sondern vielmehr: Wo befinden sich junge Menschen gerade in ihrem Leben und wie kann Kirche sie dort begleiten?

Dazu gehört auch, stärker an den Orten präsent zu sein, an denen junge Menschen ihren Alltag verbringen. Ein Beispiel ist dafür der schulische Ganztag.

Mit diesen Überlegungen habe ich mich bereits vor meiner ersten Tagung beschäftigt. Gemeinsam mit anderen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen unserer Landeskirche habe ich an einem sogenannten „Denkraum“ teilgenommen, in dem genau diese Fragen diskutiert und Ideen entwickelt wurden.

Jugendsynode 2027

Auch die Beteiligung junger Menschen war Thema der Tagung. Im November 2027 soll es wieder eine Jugendsynode geben.

Dabei kommen junge Menschen und Mitglieder der Landessynode zusammen, um gemeinsam über kirchliche Themen und die Zukunft der Kirche zu beraten. Die Jugendsynode wird im November 2027 stattfinden und Teil einer regulären Tagung der Landessynode sein.

Die Vorbereitungen dafür beginnen bereits jetzt. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, in der Menschen aus verschiedenen Bereichen der kirchlichen Jugendarbeit und Mitglieder der Landessynode zusammenarbeiten. Auch ich gehöre dieser Arbeitsgruppe an.

In den kommenden 1,5 Jahren wird es unter anderem darum gehen, wie die Jugendsynode gestaltet wird, welche Themen dort eine Rolle spielen und wie junge Menschen selbst an der Vorbereitung beteiligt werden können.

Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Ein Thema, das die Landessynode weiterhin intensiv beschäftigt, ist der Umgang mit sexualisierter Gewalt. Dabei geht es sowohl um Prävention als auch um die Frage, wie im Verdachtsfall gehandelt wird und wie zurückliegende Fälle aufgearbeitet werden.

Auf dieser Tagung haben wir dazu einen wichtigen Beschluss gefasst: Einstimmig verabschiedete die Landessynode das erste Kirchengesetz zur Prävention sexualisierter Gewalt. Es tritt zum 1. Juli 2026 in Kraft und schafft eine verbindliche gesetzliche Grundlage für Prävention, Intervention und Aufarbeitung.

Ein wichtiger Bestandteil sind verpflichtende Präventionsschulungen. In der Beratung wurde deutlich, dass diese künftig alle beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden betreffen. Inzwischen konnten mehr als 27.000 Mitarbeitende in der Landeskirche geschult werden. 

Vorgestellt wurde außerdem ein neuer Interventionsplan. Er beschreibt, welche Schritte bei einem Verdacht oder konkreten Fall zu unternehmen sind und welche Stellen zuständig sind. Den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen steht damit ein klarer Handlungsrahmen für den Ernstfall zur Verfügung.

Auch die Aufarbeitung bleibt ein wichtiger Teil der Arbeit. Geplant sind unter anderem drei unabhängige externe Studien. Außerdem sollen die vorhandenen Informationen zu bereits bekannten Fällen systematisch in sogenannten Kurzdossiers aufgearbeitet werden. In der Aussprache habe ich mich dafür ausgesprochen, dass diese Aufarbeitung nicht an zu eng gesetzten Kostengrenzen scheitern darf.

Weiter beschäftigt uns die Frage, wie Menschen, die selbst sexualisierte Gewalt im kirchlichen Kontext erfahren haben, dauerhaft an den weiteren Prozessen beteiligt werden können.

Und was stand sonst noch auf der Tagesordnung?

Natürlich waren das nur einige Ausschnitte aus drei Tagen Landessynode. Daneben beschäftigten uns beispielsweise die Gewinnung von Nachwuchskräften für kirchliche Berufe, verschiedene Gesetzesvorhaben sowie finanzielle und organisatorische Fragen der Landeskirche.

Wer sich einen vollständigen Überblick über die Themen und Beschlüsse der zweiten Tagung verschaffen möchte, findet ausführliche Berichte von der Pressestelle der Landeskirche:

Berichte zur II. Tagung der 27. Landessynode

Ausblick

Vom 24. bis 27. November kommt die Landessynode in Hannover zu ihrer dritten Tagung zusammen. Ein großes Thema wird dort der Doppelhaushalt der Landeskirche für die Jahre 2027/2028 sein.

Inhalt

  1. Ein Rundgang durch die Themen der Tagung
  2. Schwerpunkt der Tagung: Demokratie stärken
  3. Kirche im Ganztag
  4. Kirche näher am Alltag
  5. Jugendsynode 2027
  6. Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
  7. Und was stand sonst noch auf der Tagesordnung?
  8. Ausblick

Autorin

Ann-Sophie Saar

Tagungsort der Synode

  • Großer Saal des DIAKOVERE Henriettenstiftes (Marienstraße 72-90, Hannover)