Liebe Leserinnen und Leser,
vor ein paar Tagen haben wir in unserer Christuskirche einen Jugendgottesdienst gefeiert, der von Teamenden vorbereitet wurde. Angelehnt an St. Martin ging es darum eine Botschaft zum Leuchten zu bringen, die letztlich das aussagt, was Martin gelebt hat: „Teilen verbindet.“
Gemeinschaft entsteht nicht einfach dadurch, dass Menschen nebeneinander leben. Gemeinschaft wächst, wenn Menschen füreinander da sind. Wenn sie teilen – Zeit, Aufmerksamkeit, Glauben, Hoffnung.
St. Martin ist dafür ein starkes und zugleich auch so anschauliches Beispiel. Er teilt seinen Mantel – und in dieser einfachen, konkreten Geste wird etwas sichtbar vom Wesen des Glaubens: vom Vertrauen darauf, dass Gott uns miteinander verbindet. Dass wir gemeinsam stärker sind als allein.
Diese Erfahrung ist in unserer Zeit kostbar geworden. Wir leben in einer Gesellschaft, die oft betont, was uns trennt: Meinungen, Herkunft, Lebensstile, Weltanschauungen. Auch in den sozialen Netzwerken geht es schnell um Abgrenzung. Und doch spüren viele: Das allein macht uns nicht glücklich. Viele sehnen sich nach etwas, das gemeinsam trägt. Nach einem Wir, das nicht auf Kosten anderer geht. Ich tue das. Und Sie, und du vielleicht auch.
Dieses Jahr habe ich mir für die Advents- und Weihnachtszeit genau dazu etwas vorgenommen. Ich möchte, dass sich die Weihnachtsbotschaft in mir widerspiegelt. Hört sich sicher größer an, als es letztlich ist... Ich möchte, dass in mir viel bewusster die Glaubensbotschaft erklingt: Gott selbst wird Teil unserer Gemeinschaft.
Er wurde es in einem Stall, unscheinbar, mitten unter Menschen. Nicht als mächtiger Herrscher, sondern als verletzbares Kind. Gott teilt unser Leben – unsere Freude, unsere Sorgen, unsere Sehnsucht. Er teilt sogar unsere Verletzlichkeit. Und genau dadurch wird Gemeinschaft möglich, die über alle Unterschiede hinausreicht.
Ich möchte nachspüren, was das für mich und im Miteinander konkret heißen kann, wenn ich meinen Teil bewusster als sonst dazu beitrage, dass wir eine Gemeinschaft sind. Möchte eine Kerze aufmerksamer entzünden, wenn ich gemeinsam mit Menschen am Tisch sitze. Möchte einmal kurz durchatmen, in die Augen derer schauen, die vor und neben mir sind, und dann erst mit dem Gespräch beginnen. Möchte Gott wirklichen Raum geben, wenngleich er selbst doch mit einem Stall zufrieden war. Möchte, dass er sich mitteilt.
Die Teamenden haben mir dafür Mut gemacht. Sie sagten, als die Worte „Eine Gemeinschaft, ein Glaube, ein Ziel“ als Geheimbotschaft im Gottesdienst aufleuchtete:
Eine Gemeinschaft – das sind wir, wenn wir uns gegenseitig tragen, wenn wir einander zuhören, wenn wir uns gegenseitig das Licht weitergeben.
Ein Glaube – das ist das Vertrauen darauf, dass Gott mitten unter uns ist, auch da, wo es dunkel ist.
Ein Ziel – das ist das Leben in Gottes Liebe, das in Bethlehem begonnen hat und in uns weitergeht, jedes Mal, wenn wir teilen, was wir haben.
Vielleicht ist das die Brücke zwischen St. Martin und Weihnachten: Beide erzählen von einem Licht, das weitergegeben wird. Martin teilt seinen Mantel – und teilt damit Wärme und Würde. Gott teilt sein Leben mit uns – und teilt damit Liebe und Licht.
Ich werde versuchen meine Aufmerksamkeit einmal ganz neu zu teilen. Ob es mir gelingt…wir werden sehen. Vielleicht haben Sie, hast du ja Lust, das auch zu tun. Und vielleicht verändert das die Welt ein kleines Stück. Macht sie heller!
Bleibt behütet!
Ihre und eure Sina Schumacher