Liebe Leserinnen und Leser,
„Wie ist der Plan?“ – Diese Frage begleitet mich oft. Im Alltag, im Beruf, in der Familie, selbst im Glauben. Pläne geben Struktur, helfen beim Ordnen, beim Setzen von Zielen und beim Gehen von Schritten. Wer plant, übernimmt Verantwortung. Das ist gut – und wichtig.
Und doch gibt es diese Momente: Etwas kommt dazwischen. Ein Termin fällt aus, eine Begegnung verändert die Richtung, ein Ereignis stellt alles auf den Kopf. Dann zeigt sich: So wertvoll ein Plan ist – er ist nicht alles.
Vor ein paar Tagen habe ich das ganz praktisch erlebt. Gemeinsam mit sechs Menschen habe ich unsere Alte Kapelle aus Pappmaché nachgebaut. Ohne festen Plan. Nur mit Material – Pappe, Hasendraht, Zeitungen und Kleister – und einer groben Idee im Kopf. Was dann geschah, war erstaunlich: Jede und jeder brachte eigene Gedanken ein. Wir probierten aus, verwarfen, begannen neu. Schritt für Schritt entstand etwas, das wir so nicht vorausgesehen hatten. Am Ende stand da tatsächlich eine Kapelle – und wir waren stolz.
Dieses Erlebnis zeigt mir einmal mehr: Manchmal entsteht das Beste nicht aus einem perfekten Plan, sondern aus dem Mut, anzufangen und sich auf den Prozess einzulassen.
Es gibt nämlich auch die andere Seite: die des Sich-leiten-Lassens. Das klingt zunächst passiv, ist aber eine sehr aktive Haltung. Es bedeutet, aufmerksam zu bleiben, offen für Veränderungen, bereit, neue Wege wahrzunehmen.
Im Glauben hat das einen besonderen Klang. Die Bibel erzählt von Menschen, die unterwegs sind – mit Plänen, aber auch mit Vertrauen. Abraham bricht auf, ohne das Ziel zu kennen. Die Jünger folgen Jesus ins Ungewisse. Der Weg entsteht im Gehen – im Vertrauen darauf, dass Gott mitgeht.
Vielleicht ist das die entscheidende Frage: Wer leitet mich? Der eigene Anspruch, alles im Griff zu haben? Erwartungen von außen? Oder gibt es Raum für Gottes leise Stimme?
Sich von Gott leiten zu lassen heißt nicht, keine Pläne mehr zu machen. Es heißt, sie nicht absolut zu setzen. Sie in Gottes Hände zu legen – und bereit zu sein, sie verändern zu lassen.
Und vielleicht liegt genau darin die Einladung: im Alltag beides zu wagen. Einen Plan zu machen – und offen zu bleiben. Für neue Wege, für andere Menschen und für Gottes Führung.
Denn am Ende gehört beides zusammen: unser Planen und Gottes Begleiten. Unser Schritt – und sein Mitgehen.
Bleibt behütet!
Ihre und eure Sina Schumacher